Umhausen/Österreich – Schnalstal/Südtirol
Unser 11. Etappenausflug von
Umhausen im Ötztal bis Unser Frau im Schnalstal

VON FETTEN FRITTEN, FITTEN ZICKEN UND WILDEN ELEFANTEN
Tag 1: Los geht’s!
Huglfing – Mittenwald – Innsbruck – Bus ins Ötztal – Umhausen/ Feuerwehr
Höhenmeter: 900 – Strecke: 12,5 Km – Dauer: 6,5 Std.
Ist die Vorstellung mit 21 Kindern und 8 Erwachsenen über die Alpen zu wandern motivierend oder Angst einflößend? Wir starten wie immer an unserer Schule in Huglfing, early bird, wie es sich für richtige Alpen-Crosser gehört, um kurz nach sechs Uhr. Und natürlich nutzen wir, wo immer möglich, die ÖFFis. Wir landen an unserem Ausgangsort Umhausen. Da wo wir auf unserer letzten Etappe abgereist sind.
Wir marschieren über die Ötz auf der westlichen Talseite. Recht schnell geht es steil bergauf durch Wald und Wiesen und dank der sengenden Hitze wird uns überflüssig heiß und heimlich wünsche ich mir jetzt schon fluchen zu dürfen, ABER natürlich mache ich das nicht, denn diese 21 Kinder laufen wie kleine Duracell Hasen und da gebe ich mir doch nicht die Blöße.
Ich laufe hinter Momo her und stelle mir die Frage, wieso ihr so ein Cityrucksack der Größe Wochenendausflug anscheinend ausreicht, während ich mich mit meinem super-truper-Deuter- 50 Liter + 10 Rucksack den Berg hochschleppe. Eigentlich bin ich doch hier der Wanderprofi. Kinder sind da wahrscheinlich einfach pragmatischer: Eine Hose, ein T-Shirt und eine Regenjacke. Ich habe Michij´s Packliste dreimal studiert, konnte sie am Ende fast auswendig, um bloß nix zu vergessen. Stellt euch das mal vor, wie peinlich das wäre, wenn einer der Erwachsenen auf der Hütte dann sagen müsste „Äh entschuldige, kannste mir mal deine Zahnpaste leihen“, oder am nächsten Tag: „Haste mal Sonnencreme? Hab meine vergessen!“ Aber da ich ja ein Besserwisser-Erwachsener bin, habe ich natürlich so getan, als wenn mir mein schwerer Rucksack überhaupt nix ausmacht!
Unser erstes Highlight ist Julias Keks-Station nach dem anstrengenden Aufstieg. Diesen mobilen Super-Service sollten wir auf der ganzen Etappe mehrmals genießen dürfen. Mal stand Julia mit Manner-Schnitten da, mal mit veganen Gummibärchen, mal Schokokeksen, Schokolade oder mit Müsliriegeln – gesponsert von Munsinger. DANKE DAFÜR! Nach dem Motto: Keine Süßigkeiten im Rucksack der Kinder – die Erwachsenen bringen alles mit. Hatte zur Folge, dass wir das ganze Zeug schleppen mussten. Naja, Erziehungsmaßnahme können eben auch anstrengend für die Eltern sein. Selber schuld!
Das mit den Süßigkeiten und der Verpflegung war übrigens so eine Sache. Ich glaube da gab es ein kleines Kommunikationsproblem. Oder wer hat überhaupt die 845 Gurken bestellt, die dann in der ersten Hütte im Kühlschrank lagen? Aber dazu später.
Unser zweites Highlight glitzert uns schon türkis-grün in einem kleinen Kessel, umgeben von Kiefern, entgegen. Unser erster Picknick-Platz. Ein See! Saukalt, mit freundlichen Forellen und mutigen Mädeln, die in Unterwäsche ratz-fatz eine wohltuende Abkühlung genießen. Super schön!!!
Nach dieser tollen Pause geht es weiter Richtung Tal zum Ort Lehn. Und dann wieder hoch auf den Berg zum Wasserfall! Was wieder doch? „Aber Michij, äh Julia… hallo…wieso denn wieder hoch, ich bin doch jetzt schon fix und foxy.“
Da war sie dann wieder diese innere Stimme bzw. dieser innere Schrei! Ich habe mich schon wieder nicht getraut zu meckern, obwohl es jetzt echt angebracht gewesen wäre. Naja, ich habe dann mit Lulu und Momo ein neues Spiel gespielt „Lieblingsoutfits“. Statt „Tiere raten“. Apropos Tiere raten: Mein Lieblingstier bei diesem Spiel ist „Gürteltier“ oder „Ameisenbär“ – da diese Tiere nicht so bekannt sind, dauert eine Runde direkt ein paar Kilometer – kommt nämlich keiner drauf 😉
Nach diesem Aufstieg folgt natürlich wieder ein Highlight. Neben einer weiteren Süßigkeitenstation bei Julia bestaunen wir einen beeindruckenden Wasserfall. Nach dem sich in Serpentinen herabschlingenden Weg, in Erwachsenenkreisen auch Oberschenkel -Killer genannt – folgt eine wohltuende Endentspannung am Fluss. Gefolgt von einer Busfahrt zur DAV Talherberge „Zwieselstein Sektion Regensburg“. Diese Hütte wird unsere erste Herberge. Sie empfängt uns mit diesem typischen Hüttenduft und eben auch 845 Schlangengurken. Hatte ich die schon erwähnt?
Kathrin, Mutter von Lissi und 1a-Catering-Chefin, versorgt uns wieder mal hervorragend. An dieser Stelle schon mal ein erstes großes DANKESCHÖN! Und während wir Erwachsenen fix und foxy die Beine hochlegen wollen, hören wir schon „Räuber & Gendarm“- Rufe von draußen. Das gibt es doch nicht! Woher nehmen die Kinder eigentlich immer diese Energie? Grad noch aus dem letzten Loch gepfiffen und jetzt schon wieder auf Socken durch den Garten. Ich glaube, das ist wie beim Essen, am Ende einer nicht ganz so beliebten Mahlzeit, bei der man überhaupt keinen Bissen mehr runter kriegt, weil man ja soooo satt ist, tut sich das Phänomen NACHTISCH auf. Da ist irgendwie immer noch Platz für. Uns so ist das auch mit dem Spielen. Geht immer. Passt immer. Macht immer Spaß.
Abendessen: Spezialpasta mit lecker Sauce. Und davor ein fetter grüner Salat, der ratz-fatz weg ist. Sollten Kinder etwa doch Salat mögen? Fernab von ihren Eltern zeigen sich alle Kinder in einem anderen Licht!
Ein Zimmer für die Mädels und ein Zimmer für die Jungs und davor mit Stirnlampe und Buch die Gruselexpertin Cäcilia. Mit Roald Dahls „Hexen hexen“ endet der Abend. Ich bin mir aber nicht sicher, ob nicht ein paar Kinder heimlich ins Kopfkissen geweint haben, weil Cäcilias Geschichte anscheinend sehr gruselig war. Aber hey, das hätte ich natürlich auch nicht zugegeben. Auf alle Fälle sitzt Cäcilia gefühlte zwei Stunden vor den Zimmern und liest, bis auch das letzte Kind endlich weggeschlummert ist.
Die Erwachsenen beschließen diesen ersten Tag mit einem Bier in der Hand in der Küche. Alle Kinder heil durch den ersten Tag gebracht. Puh, geschafft!
Gerüchten zufolge gab es dann noch einen kleinen, nächtlichen Zwischenfall, aber Gerüchten wollen wir hier nicht nachgehen. Das Motto lautet: Was auf der Etappenwanderung passiert, bleibt unter den Teilnehmern der Etappenwanderung. Wer Insider hören will, muss nächstes Mal selber mitkommen 😉
Tag 2: Ich hasse Murmeltiere
Zwieselstein – Vent – Hochjoch Hospitz Hütte
HM: 600 – Strecke: 8 km – ca. 5 Std.
„Erst wird die Brotzeit geschmiert und eingepackt, dann frühstücken wir alle zusammen“ – diese Ansage kommt von Michij & Julia. Die beiden haben wieder die Führung für diese Etappe übernommen und wissen ganz genau, warum die Reihenfolge hier besonders wichtig ist. „Wenn alle beim Frühstück anfangen sich Brote zu schmieren, dann haben wir in jedem Rucksack ein Nutella-Chaos.“ So ist klar, dass die Brotzeit aus leckeren Pfisterbroten mit Butter/ Käse oder Landjäger besteht. Apfel, Möhre und natürlich Gurken, so viel sie wollen! Die Brotzeit muss 2 Tage lang halten, denn auf den Hütten gibt es Halbpension aber keine Brotzeit.
Zimmer aufräumen, fegen, abwaschen und am allerwichtigsten: Nichts vergessen! Die schwierigste Aufgabe der Etappe: Irgendwas bleibt immer liegen.
Wir fahren mit dem Bus vor der Haustüre vom Hotel „Neue Post“ bis zur Endstation Similaun in Vent. Hier startet heute unsere 2. Etappe. Gemächlich schlängelt sich ein schöner Pfad den Berg hinauf. Hier und da eine Kunstskulptur. Umgeben von blühenden Wiesen mit Kräutern und einer fantastischen Aussicht. Erstes Highlight: Eine Hubschrauberlandung genau vor unserer Nase. Wie war das noch? Wenn man Hilfe braucht ein Y und wenn man keine braucht ein N mit den Armen gen Himmel zeigen! Das sollte nicht die letzte Lektion sein, die uns Bergführer Michij mit auf den Weg gibt.
Auf der ersten Brückenüberquerung zeigt sich, dass auch Kinder mit Höhenangst mutiger sind, als sie von sich gedacht haben. Die Gruppe hält zusammen, alle helfen sich gegenseitig. Das macht Laune. Der erste Picknickplatz wird begleitet von grasenden und unheimlich hübschen Haflingern. Das kleine Fohlen sitzt auf dem Boden und grast genüsslich vor sich hin. Wenn die Stute uns nicht so wachsam und mahnend anblitzen würde, hätte man sich glatt zum Kuscheln ins warme Fell schmiegen wollen.
Neben Michij haben auch die Kinder, jeweils in 2er Gruppen, kleine Vorträge vorbereitet. Wir hören interessante Details über die Baumgrenze, die Alpenrose, Helikopter und Notruf, Gams und Steinbock, Dohlen, Zirben und die grausamen Murmeltiere.
Das muss man sich mal vorstellen, die süßen, fetten Murmeltiere, die immer so niedlich mit der Nase im Wind stehen, sind in Wahrheit grausamer als so mancher Mensch. Die schmeißen doch tatsächlich vor dem Winterschlaf ihre Alten und Kranken Familienmitglieder achtkantig aus der kuschel-warmen Höhle. Nach dem Motto: Bevor du mir mein Haus vergiftest, wenn du nicht mehr aufstehen kannst, schau wo du bleibst im Winter. Meine rosarote Murmeltier-Blase ist innerhalb von wenigen Minuten geplatzt.
Bis jetzt begegnen wir kaum anderen Menschen. Sind wir eigentlich noch auf dem richtigen Weg? Kleine Schluchten, Wasserfälle, steinige Wege und so langsam braut sich was am Himmel zusammen. Schaffen wir es noch trocken zur Hütte?
„Kommando Regenjacke“. Und kurz danach „Kommando Regenhose“. Den letzten Aufstieg wandern wir im Regen immer die Hochjochhospiz-Hütte im Blick. Ehrlich gesagt ist es noch mühsamer auf die Hütte zuzulaufen, wenn man diese immer im Blick hat. Wieso eigentlich, könnte man sich doch freuen? Ich sehe eine Gestalt vor der Hütte stehen. Regungslos. Hat sie eine Kamera in der Hand? Ich erkenne Stefan schon von weitem und jetzt läuft es sich doch leichter … mit Vorfreude. Stefan (Vater von Felix) ist uns von der Bella Vista in Südtirol entgegengelaufen und überrascht uns am Hochjoch.
Wir ziehen Bilanz am Abend. Ein paar Tränen, wenige Blasen, ausreichend Brotzeit, genügend Süßigkeiten und lachende Gesichter. Läuft bei uns. Naja, den einen oder anderen Aufreger hat es schon gegeben, aber solche Details sind halt normal. Die Hütte ist ausgebucht und bevor die Kinder vor lauter „After-Hike-Energy“ hier die Hütte aufreißen gibt es draußen noch einen Erste-Hilfe-Kurs von Kommandeur Michij.
Thema Nummer 1: Das Rettungsdecken-1×1: Wieso gehört sie in jeden Rucksack? Was kann man mit ihr alles anstellen? Sonnenbrille, Wärmeschutz, Kühlung, Tragegurt – so eine goldene Decke sollte man eigentlich stets in seiner Handtasche bei sich tragen. Die ist nützlicher als wir alle gedacht haben.
Thema Nummer 2: Der Biwaksack. Zum Reinschlupfen, drauflegen und wegdösen. Cäcilia erklärt sich mutig bereit, von den Kindern unter Michijs Anleitung, den Berg hinunter tragen zu lassen. „Im Notfall in die Ecken einen Stein wickeln, dann lässt sich die Decke einfacher tragen.“ Und siehe da, die Kinder werden zu einem guten Team und tragen ihre Lehrerin mehr oder weniger behutsam den Berg hinab. Cäcilia hat das Experiment ohne blaue Flecken überlebt. An dieser Stelle auch mal ein großes Danke an Cäcilie, die ja wirklich für jeden Quatsch zu haben ist. Tolle Lehrerin!
Auf dieser Etappe beobachten wir immer wieder, dass die Kinder im richtigen Moment richtig handeln. Die Erfahrung der letzten Etappen wirkt nach und alle gehen sehr sicher über schwierige Flusspassagen und schmale Steige. So schön zu sehen, dass es außerhalb der Schule so viele wichtige Lektionen gibt, die man ohne Frontalbeschallung lernen kann. Ich bin dankbar für diese Erfahrung, die unsere Kinder mit ihrer Schule machen dürfen. Auch wenn in unserer kleinen Schule im Aufbau noch nicht immer alles richtig rund läuft, so sehr sind wir Erwachsene uns hier einig, für unsere Kinder den richtigen Weg gewählt zu haben.
Auf der Hütte ist das Essen lecker, die Stimmung manchmal bombiger als gewollt, aber die anderen Wanderer nehmen es fast alle mit Humor. Die Mädels schlafen unterm Dach – juch-he – die Jungs vom Gestank her eher in einem Pumakäfig. Das Fenster ist etwas zu klein für so viele Wandersocken. Die Schuhe hauchen im Schuhraum mit Fleiß ihren letzten Atem aus. Wer sich da heute Abend noch reintraut, der ist wahrlich lebensmüde. Gibt es heute Abend eigentlich eine Gute-Nacht-Geschichte? Keine Ahnung, meine Ohrstöpsel verschwinden in meinen Gehörgängen und ich bin auch schon eingeschlafen. Ein aufregender Tag geht zu Ende.
Der Hüttenwirt zieht Bilanz: EM Spiel Österreich gegen Niederlande 3:2 – die Gäste hatten ordentlich Durscht! Ein guter Tag geht auch für ihn zu Ende.
Die Murmeltiere ziehen Bilanz: Wieder 2 alte und 3 kranke Tiere aus dem Bau geworfen. Ab heute bin ich Murmeltier-Hasser!!
Tag 3: Kommen wir heute noch am DM vorbei?
Hochjochhospiz Hütte – Grenzüberschreitung – Zollhaus – Bella Vista Hütte
HM: 600 – Strecke: 7 km – ca. 5 Std.
Zwei Kinder hat Michij leider wegen Krankheit noch spät zurück ins Tal nach Vent gebracht. Erst ist er mit den Jungs runter gelaufen und dann wieder hoch zurück ins Hochjochhospiz. Starke Leistung Michij – das ist wirklich ausgesprochen nett von ihm und ein großer Kraftakt!
Auf dieser Etappe begleiten 8 tolle Eltern die Klasse: Victoria, Simone, Flo, Franz, Stefan, Kristina, Julia und Michij. Und natürlich Cäcilia, die Klassenlehrerin.
Heute müssen wir Schneefelder queren. Aber zuerst mal den Berg runter und auf der anderen Seite der wackeligen Brücke den Berg wieder hinauf wandern. Michij gibt das Wandertempo an. Langsam, stetig, ohne Hektik bezwingen wir den Anstieg und siehe da, wir sind weder müde, noch verschwitzt. Das Tempo ist so gut abgestimmt, dass wir alle wie Perlen an einer Schnur aufgereiht, den Berg hinauf in einer Linie wandern. Da muss man sich doch fragen, warum man sonst beim Wandern immer so aus der Puste ist.
Heute haben alle ihre Hüte, Mützen oder Käppis auf. Die Sonne ist trotz Wolken stärker als im Tal, deswegen darf auch die Sonnenbrille nicht fehlen. Die Reflektion des Schnees lässt uns die Augen zukneifen. Die Vegetation ist karg, aber schön. Wir quetschen uns an manchen Passagen am Berg entlang. Links von uns geht es ganz schön steil herab.
Vor dem Start der Wanderung haben wir uns in kleine Gruppen aufgeteilt. Jeweils ein Erwachsener „übernimmt“ 2-3 Kinder. Schon im Zug haben die Teams sich coole Namen gegeben und an einem passenden Schlachtruf gearbeitet. Es gibt die „Fetten Fritten“, die Franz betreut, die „Snoop Doggy Dogs“ bestehen aus Felix, Julius und Kristina und dann gibt es unter anderem noch die „Wandernden Elefanten“ oder die „Fitten Zicken“… Auf wichtigen oder etwas unsicheren Passagen werden wir uns in diesen Teams zusammenfinden. Das erlaubt uns ein zügiges Vorankommen, keiner geht verloren, da immer ein Erwachsener den Überblick für seine Schützlinge behält und die Verantwortlichkeit gut handeln kann und die Kinder jederzeit wissen, an wen sie sich wenden können.
Die Schneefelder werden nun länger, der Schnee sulziger und wir sehen die Skilifte und kommen ins Skigebiet rund um die Bella Vista. Die Hütte „Schöne Aussicht“ gehört dem Hüttenwirt und Hotelier Paul Grüner. Die Hütte ist bekannt für ihre tollen Knödel, die Fass-Sauna, einem tollen Outdoor-Whirlpool, und einer super Berg-Crew. Der Ruf der Hütte ruft uns schon entgegen und so läuft es sich schon leichter und schneller.
Wir werden vom Hüttenwirt draußen schon empfangen, er hat uns netterweise eine Schneise in die Schneemassen gefräst, denn dieses Jahr liegt noch im Juni ungewöhnlich viel Schnee hier oben. Schnell ist das Bettenlager bezogen und die ersten wohlverdienten Kakaobecher mit Sahne stehen auf den Tischen.
Kurze Verschnaufpause und schon ruft Michij wieder zum Einsatz. Heutige Lektion: How to brems when you are rutsching down the Schneefeld. Und: Wie vergräbt man ein Sicherungsseil absturzsicher im Schnee?
Diese Lektion sollte noch nachhallen. Wieder eine wertvolle Lektion, denn nicht immer hat man einen Pickel dabei, wenn plötzlich ein steiles Schneefeld zu überqueren ist. Die Kinder üben mit einer Riesengaudi, wie man geschickt die Beine aufstellt und rücklinks zum Stehen kommt, wenn man zuvor Beine vorwärts den Berg gen Tal zu rutschen droht.
Auf 2.800 Höhenmeter befinden wir uns. Was für eine saustarke Leistung! Nach einem mehrgängigen Essen – die Italiener lassen sich nicht lumpen – fallen alle schnell in den Schlaf. Wie war das noch mit dem DM-Markt? Sind wir daran heute eigentlich vorbeigekommen oder haben wir den verpasst? Und hat nicht jemand erzählt, dass im Mädchen Zimmer eine Beauty-Ecke aufgebaut wurde? Ach, das sind wieder so Gerüchte, auf die wir hier nicht eingehen wollen…
Tag 4: Runter geht’s!
Bella Vista Hütte– Kurzras – Unser Frau „Archeo Parc“
HM: 850 nur bergab – Strecke: 5 km – ca. 4 Std.
Frühstück, diesmal ohne Ansage und so landet der ein oder andere Vinschgauer doch mit Nutella im Rucksack. Was soll man sagen? Es haben alle überlebt!
Wie war das noch? How to brems when you are…???? Keine hundert Meter von der Hütte kommt schon das erste Schneefeld. Und klein ist anders. „Kommando Gamaschen“ und Michij baut schon eine Seiltrasse. Gestern gelernt und heute schon angewendet. Die Kinder maulen nicht rum, denn sie wissen: Der Berg verzeiht wenige Fehler.
Alle überqueren auch die noch folgenden Schneefelder sicher und bedacht. Die anderen müssen wir nicht sichern – die Kinder laufen aufmerksam an den zum Teil sich bildenden Schneelöcher geduldig nacheinander vorbei.
Jetzt wird es wärmer. Wir sehen mehr Tiere, die Vegetation ändert sich wieder. Es wird Zeit für einen Vortrag über die Zirben. Schnaps, Baumaterial, Beruhigungsmittel. Ein Material, das typisch für diese Region ist und im Herbst die Landschaft in orange-rot taucht.
Der Weg nach unten nach Kurzras ist schön. Mit großen Steinen gepflastert und der Ort winkt uns schon von weitem. Angekommen, entscheiden wir uns den letzten Weg nach „Unser Frau“ mit dem Bus zu fahren. Ein bisschen Luxus haben wir uns verdient.
(Bericht von Kristina Schütz)
Tag 5: Leben in der Steinzeit – „Der Archeo Parc“
Als wir in Unser Frau aus dem Bus steigen, wartet bereits die liebe Katrin mit einer leckeren Jause auf uns. Belegte Brote, geschnittenes Obst und Gemüse stärken uns am Ende der Wanderung. Es sind tatsächlich noch ein paar Restgurken vom ersten Tag übrig, wer hätte das gedacht! Nun dürfen auch alle ihre Rucksäcke ablegen und in leichtere Schuhe schlüpfen. Herrlich!
Nachdem die Kinder oben am Berg direkt am Fundort des „Ötzi“ vorbei gewandert sind, werden sie nun im archäologischen Freilichtmuseum „Archeo Parc“ hautnah auf „Ötzis“ Spuren wandeln und in das alltägliche Leben in der Steinzeit eintauchen.
Der „Archeo Parc“ liegt direkt an dem kleinen Ort Unser Frau. Hinter einem hohen Holzzaun formieren sich steinzeitliche Holznachbauten zu einem kleinen Dorf, durch das ein Fluss fließt, von dem man auch mit einem Einbaum zu einer kleinen Rundfahrt starten kann.
Nach den intensiven Tagen im Berg sind alle ganz schön aufgedreht und es dauert eine Weile bis die Klasse in der Ruhe und Kontemplation dieses beschaulichen Ortes angekommen ist. Johanna, die Museumsleiterin, umschifft alle Klippen geduldig und begleitet die Kinder ruhig und vertrauensvoll durch diesen Prozess.
Dann geht es endlich ans Feuermachen, die Körner werden mit Steinen gemahlen, das Gemüse mit kleinen Steinmessern geschnitten und gemeinsam mit Johanna und Cäcilia kochen die Kinder eine leckere Suppe über dem offenen Feuer.
Es werden Spiele gespielt und Johanna erzählt uns viel über das Leben von Ötzi und seinen Zeitgenossen. Als es dunkel wird sitzen wir noch lange am Feuer und singen unter einem riesigen Sternenhimmel gemeinsam Lieder.
Zum Schlafen sind die Kinder über die verschiedenen Hütten verteilt, auf den Lehmböden werden die Ismoatten und Schlafsäcke, die von Katrin mit ihrem Bus von Huglfing aus hierhergebracht wurden, ausgerollt und müde sinken alle in ihre Betten.
Das Frühstück findet im Café des Museums statt, ganz unsteinzeitlich, mit frischen Semmeln, Marmelade, Kaffee und Orangensaft. Danach führt uns Lukas durch die Ausstellung mit vielen spannenden Exponaten, die uns Ötzis Welt, sein Werkzeug, seine Kleidung und seine Waffen anschaulich präsentieren.
Heute Vormittag sind für uns die Werkstätten geöffnet. Die Kinder teilen sich auf in eine Gruppe, die aus Holz kleine Bögen und Pfeile und in eine Gruppe, die aus Speckstein schöne Anhänger schnitzen werden. Konzentriert sind alle mit ihrer Arbeit beschäftigt und wer eine kleine Pause braucht, darf tatsächlich mit dem Einbaum vom Steg aus eine Runde durch die Sonne über den Fluss schippern.
Und dann steht schon der Reisebus vor der Tür, der uns wieder nach Hause bringen wird. Leider ist unser Plan, zum Abschluss eine echt italienische Pizza für alle zu besorgen, gescheitert, da ausgerechnet heute rundherum alle Pizzerien geschlossen haben. Aber dank des Internets finden wir einen Hinweis auf eine Pizzeria in Meran, bei der wir Pizzen für alle vorbestellen und unterwegs abholen können. Auf einem kleinem Parkplatz versammeln sich alle hungrig um den großen Stapel Pizzakartons und schlagen sich die Bäuche voll. Und so herrscht auf der anschließenden Heimfahrt eine gemütliche Ruhe, denn die meisten haben sich auf den Busbänken ausgestreckt, ihre müden Köpfe aneinander gelehnt und schlafen sich erst mal eine Runde aus nach den letzten, herausfordernden Tagen.
Vor dem „Café Schaffner“ in Huglfing warten schon ungeduldig die Eltern, Geschwister und Familien, um die tapferen Wanderer wieder in ihre Arme zu schließen! Hurra, endlich wieder zuhause!
(Bericht von Victoria Messutat)
















































































